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Benn, Gottfried
(*2.5.1886 Mansfeld/Westpriegnitz, †7.7.1956 Berlin)

Der Pastorssohn musste zunächst Theologie und Philosophie studieren, bevor er sich der Medizin zuwenden konnte. In den frühexpressionistischen Gedichten Morgue (1912) und Söhne (1913) setzt er sich vom herkömmlichen Lyrikverständnis ab und behandelt mit schockierender Drastik und medizinischer Offenheit Themen menschlicher Krankheit und Verwesung.

Die Gedichtsammlung Fleisch (1917), die Novellen Gehirne (1916) und das Drama Der Vermessungsdirigent (1919) bilden den Abschluss dieser Phase, die zahlreiche spätere Dichter beeinflusst hat. Die Essays Nach dem Nihilismus (1932) zeigen ihn kurzfristig als geistigen Sympathisanten des Nationalsozialismus. Die Essays Der neue Staat und die Intellektuellen (1933) und Kunst und Macht (1934) erläutern seine kunsttheoretische Haltung gegenüber anderen Dichtern, wie Nietzsche, Heinrich Mann und Stefan George. 1938 von den Nationalsozialisten mit Schreibverbot belegt, zog er sich in die »innere Emigration« zurück. (Der Begriff »innere Emigration« taucht erstmals bei Benn auf.)

Nach dem 2. Weltkrieg fand er zu einer neuen Form der Lyrik. Die Sammlung Statische Gedichte (1948) beschäftigt sich in kühl reflektierender Sprache und strenger Formvollendung mit dem Thema Kunst und Künstlertum. Für P. Hindemith schrieb er den Oratorientext Das Unaufhörliche (1931). Benns Erzählungen wie Der Ptolemäer (1948) schildern in nebeneinandergestellten Monologen und wechselnder Perspektive die Beziehungslosigkeit des modernen Menschen. Wichtige geschichtliche und literaturtheoretische Zeugnisse sind die Autobiographie Doppelleben (1950) und der Essay Probleme der Lyrik (1951).

Posthum 1977 erschienen seine Briefe an F. W. Oelze (1977). Benns Werke, die z.T. heftig umstritten waren, gehören zu den bedeutendsten literarischen Leistungen unseres Jahrhunderts und liegen in mehreren Ausgaben vor.


Vertonte Gedichte:

Requiem


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